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Servus mitnander,
Kultur hat in Nürnberg eher etwas Aufgesetztes. Im Alltag angekommen ist sie meist nicht. So erklärt sich dann wohl auch jene Kunstaktion, mit der Fans im Stadion ihr Sport ein bisschen madig gemacht werden sollte. Gleichzeitig rückten bei Nürnbergs Bauhaus-Architektur die Abrissbagger an. Und das im Bauhaus-Jubiläumsjahr und trotz massiver Proteste. Falls der Kulturhauptstadttitel aber dorthin vergeben wird, wo man ihn am nötigsten braucht, dann haben sie alles richtig gemacht.
Nicht vorschnell „Deppen!“ rufen:         Euer    Peter  Viebig

Babyschritte

Als „wichtiger Schritt“ wurde die Einführung des 365-Euro-Ticket gefeiert. Allerdings gilt es beim VGN und im Würzburger Verkehrsverbund nur für Schüler und Auszubildende. Für die gab es ohnehin schon Vergünstigungen. Umsteigen dürften wenige. Der Effekt fürs Klima: praktisch Null.

Fahrt woanders hin!

Im Augenblick wird zwar nur vor Reisen ins Kriegsgebiet an der türkischen Grenze nach Syrien gewarnt. Das kann man aber getrost auf die gesamte Türkei ausweiten. Gerade erst wurde  dort eine linke Kommunalpolitikerin aus Nürnberg festgenommen (inzwischen ist sie zwar wieder frei, darf aber das Land nicht verlassen).

Blick nach drüben

Die Zerstörung einer Eiche und einer Bank, die in Zwickau an die Ermordung des ersten NSU-Opfers Enver Şimşek erinnern sollten, ging bei uns etwas unter. Dabei wurde der Blumenhändler Şimşek vor 19 Jahren in Nürnberg erschossen. Vielleicht handelt es sich also doch nicht um eine reine Ossi-Angelegenheit, begangen von Einzeltätern.

Nur ein Provisorium?

Es gibt immer wieder Leute, die in der CO2-Debatte auf Atomstrom setzen. Die sollte man nach Grafenrheinfeld schicken. Nachdem ein Endlager fehlt, wird das dort vor vier Jahren stillgelegte AKW als Zwischenlager genutzt. Das füllt sich immer mehr, obwohl gleichzeitig auch die Sicherheitsbedenken wachsen.   

Amtspersonen erstmal ignorieren!

Soziales Verhalten wird bei uns häufig via Fußball erlernt. Dort stattfindende Pardigmenwechsels haben also durchaus Weiterungen. In Nürnberg stellten jetzt obrigkeitshörige FCN-Kicker den Spielbetrieb ein, weil eine Amtsperson die Fahne schwenkend Abseits signalisierte. Die eher der linken Anarchoszene nahe stehenden Spieler des FC St.Pauli ignorierten dies und wurden für dieses Verhalten mit einem Tor belohnt.

Wir tun was gegen Rechts

Christian Vogel ist bekanntlich heimlicher Herausgeber im Nürnberger Pressehaus. Da er als Bürgermeister sein Gehalt von der Stadt bezieht, verursacht er keine zusätzlichen Kosten. Jetzt veranlasste er eine mediale Imagekampagne. Irgendein Schwachkopf hatte ein kleines Hakenkreuz auf die Straße gemalt, das dann von einer, natürlich dem Bürgermeister unterstehenden, Dienststelle ungewöhnlich schnell übermalt wurde.

Abmahnfalle

Wer Malle-Parties veranstaltet, der rechnet mit Massenkater und Erbrochenem, aber nicht damit: In Wargolshausen bekam die Freiwillige Feuerwehr eine Rechnung von einem Anwaltsbüro geschickt. Der Begriff „Malle“ sei gesetzlich geschützt. Wer mit ihm wirbt, muss zahlen.

Archaische Verrätersuche

Da besinnt sich die CSU mal auf ihre christlichen Wurzeln und dann ist es auch nicht Recht. Im unterfränkischen Karlstein ließ die C-Partei auf die Bibel schwören um einen Abweichler ausfindig zu machen, der bei der Bürgermeisterwahl einem Sozi die Stimme gegeben hatte. Wobei die Bibel eigentlich gar nicht möchte, dass man auf sie schwört.

Jahrestage

„Bier ist gesund“, das liest das Klickpublikum gern. Da kann man ruhig den Jahrestag einer FAU-Presseveröffentlichung zum Anlass nehmen, diesen Satz erneut zu verbreiten. Wobei er so – immer noch – nicht stimmt. Das im Hopfen enthaltene Xanthohumol ist zwar gut für die Leber. Der Alkohol macht das aber locker wieder wett. Ihr müsst also nicht unbedingt hier drauf klicken.

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2 Kommentare

  1. Herbertla

    Nürnberg als Kulturhauptstadt? Das ist ein Witz. Allein die jetzige Kulturreferentin, deren Hauptqualifikation es war, den Sparkassenkalender entworfen zu haben, ist doch schon ein Ablehnungsgrund.

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  2. Plasma100

    Gefällt mir, dieser Vogel. Egal, ob er Klohäuschen in Nürnberg einweiht oder die Ziegelsteiner zu zivilem Ungehorsam gegen „Parksünder“ auffordert. Kann ihn mir gut als Nachfolger für das Maly vorstellen. Muss nur noch etwas üben, denn als Vertreter der Stadt für Menschenrechte gehört m.E. mehr.

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