Vipmail 225

Servus mitnander,
alles nur Fassade! Mag sein. Unsereins sollte aber froh sein, wenn im Stadtbild der Zeitgeist auf den Punkt gebracht wird. Auf die Verpackung kommt da einfach ein Label drauf, da steht dann Klima- oder – wie hier neben dem Nürnberger Hauptbahnhof – Denkmalschutz drauf. Dahinter befindet sich trotzdem die immer gleiche, betonierte Geldgeilheit. Da möchte man eigentlich nur Günter Stössel zitieren:
Manchmal kennd i greina wäi a Sau,             Euer    Peter  Viebig

Nicht alles schlecht

Bei aller berechtigten Kritik, ein bisschen was tut sich schon in Sachen Klimaschutz. Jetzt sollen beispielsweise einst stillgelegte Bahnstrecken reaktiviert werden. In Franken sind das allerdings nur die Strecke Gunzenhausen-Wassertrüdingen und die Mainschleifenbahn. Im Augenblick gilt nämlich noch, dass erst ab 1000 Reisenden pro Tag eine Wiederinbetriebnahme möglich ist. Dass bei einer attraktiven Bahnstrecke auch Leute in die anliegenden Dörfer ziehen würden, ist leider nicht vorgesehen.

Busse ohne Fahrer 

Wer fordert, der Einzelne solle mehr fürs Klima tun und sein Auto öfter mal stehen lassen, der blicke nach Erlangen. Dort hat jetzt der Mangel an Busfahrern dazu geführt, dass allein am Montag 45 Fahrten gestrichen werden mussten. 

SUV-Krise 

Während auf der einen Seite Arbeitskräfte fehlen, werden sie anderswo entlassen. Zum Beispiel in Hallstadt, wo das Michelin-Werk geschlossen werden soll. Die dort hergestellten, vorwiegend für SUV verwendeten, 16-Zoll-Reifen haben offenbar keine Zukunft mehr.

Warum Amazon Erfolg hat

Im Frühsommer erst gab der Gemeinderat sein OK, jetzt ist das Amazon-Sortierzentrum im Landkreis Forchheim in Betrieb gegangen. Öffentliche Projektverantwortliche hätten wahrscheinlich noch nicht mal ihre Urlaubserinnerungen ausgetauscht.

Bevor sie was merken

Manchmal geht´s in Nürnberg auch schnell, verdächtig schnell sogar. Bei der Umstellung vom Gelben Sack auf die Gelbe Tonne wollte man offenbar nicht warten, bis die  Nürnberger merken, dass damit auch eine Mengenbegrenzung einher geht. Überdies haben die Tonnen ein Problem mit dem Datenschutz, weil darauf der jeweilige Grundbesitzer mit Adresse vermerkt ist.

Kernkompetenzen

CSU-Frauen haben ja meistens schon mal einen Maßkrug aus der Nähe gesehen. Deswegen hat eigentlich jede von ihnen das Zeug zur Drogenbauftragten. Das war bei Marlene Mortler so und ist jetzt bei Daniela Ludwig nicht anders. Die Nachfolgerin der Dehnberger Neu-Europäerin ist allerdings aus Rosenheim, weshalb sie hier eigentlich nichts verloren hat. Auffällig dennoch, dass ihre „sehr guten Beziehungen“ zu Edmund Stoiber bei Wikipedia unmittelbar nach Amtsantritt gelöscht wurden. Die Älteren erinnern sich vielleicht noch an den Hintergrund.

Zupfer-Arroganz

Online findet Ansbach kaum statt. Das liegt wohl daran, dass die örtliche Zeitung praktisch nur Fremdcontent durch einen Automaten auf die Website schaufeln lässt. So muss man notgedrungen auf die Ansbacher Linke verweisen, um zu erfahren, dass die US-Army in Sachen PFC-Kontaminierung inzwischen auf stur schaltet. Dass die Grenzwerte teilweise um das 23-fache überschritten werden, come on!

Konkurrenzlos

Kaum war das Topereignis Opernball abgefeiert, gab es für die Nürnberger erneut Grund zum Jubel. Generalmusikdirektorin Joana Mallwitz wurde von der Zeitung Opernwelt zur „Dirigentin des Jahres“ gekürt. Blöd nur, dass der Titel angesichts des in dieser Branche eher im Promillebereich angesiedelten Frauenanteils nicht viel her macht.  

Künstler und Werk

Bei manchen Künstlern handelt es sich – Obacht Berliner Juristenjargon! – um Arschlöcher. Muss man deshalb aber ihr Werk ablehnen und jene abstrafen, die das nicht tun? Im Nürnberger Z-Bau wurde diese Frage jetzt mit Ja beantwortet. Wobei sich der dort per T-Shirt gefeierte Musiker nicht bloß durch Naziideologie, sondern auch dadurch hervorgetan hat, dass er seinen Gitarristen umbrachte.

Wahlhilfe für die AfD

In Nürnberg gibt es eine Bestandsgarantie für Volksparteien. Die heißt (damit es nicht so auffällt) „Stuttgarter Modell“. Dabei wird der  Wählerwille „antizipiert“, so dass man sich, wie jetzt wieder geschehen, die einflussreichen Referentenposten schon vor der Wahl  zuschanzen kann. Die Grünen haben immerhin erklärt, das Modell abschaffen zu wollen, falls die AfD Fraktionsstärke erlangt und somit auch Anspruch auf ein Pöstchen hätte. Aber wen wähle ich dann, wenn ich dieses undemokratische Verfahren beenden will?

Wo der Tellerrand zu hoch ist

Als Fürther Oberbürgermeister muss man sich nicht darum scheren, was in der Welt draußen vorgeht. Man darf natürlich auch die aktuell geäußerte Kritik (siehe Vipmail von letzter Woche) am „Vater der Sozialen Marktwirtschaft“ ignorieren. So kann man dann halt einfach mal fordern: „Der Ludwig muss in die Walhalla!“… und der bräsige Thomas wieder ins Rathaus.


Vipmail abonnieren!